Kulturquartier Schiffbauergasse

Kunst- und Kulturquartier Schiffbauergasse

AVK4

Als langjähriges Künstlerduo des UNIDRAM Festivals zeigen AVK4 Texte und Fotos der 25-jährigen Historie von UNIDRAM als Wanderprojektion auf dem Gelände der Schiffbauergasse. Das Künstlerduo beginnt bereits am 26.10. an der Stirnseite des Kunstraums Potsdam (Richtung Nuthestrasse) und wandert mit ihren Mappingcollagen auf das Festivalgelände von UNIDRAM auf dem Schirrhof, um sich dann mit dem Beginn des Lichtspektakels weiter entlang der früheren Garagen weiterzubewegen. Zum Ende des Lichtspektakels ziehen sich die Projektionen zurück in ein Auto, dessen Scheiben schließlich zu Projektionsflächen werden. Wie ein Raumschiff strahlen die Projektionen hier nach außen. In ihrer neuen Arbeit öffnen AKV4 das Archiv des Festivals: die Chronologie aus 25 Jahre UNDIRAM sortieren die Künstler neu nach Farbe, Gesichtern, Orten und vielen weiteren Kategorien. Durch das Fragmentieren der Texte und der Fotos und durch die Projektion auf die historischen Wände der Schiffbauergasse schafft AKV4 Raum und Reibungsfläche, um Erinnerungen wiederzuentdecken und neue Geschichten zu kreieren.

 

 

„CHRIE“, eine Videoinstallation des Künstlers Thomas Bartel

(c) Thomas Bartel

In der Video- Raum-Klanginstallation CHRIE dreht sich alles um ein wissenschaftliches Experiment rund um Nerven und im zweiten Teil um die Rolle der Sprache, der Schrift und der Kommunikation von Information, am Beispiel digitaler Cookies.

TEIL I

In Zusammenarbeit mit der Universität Magdeburg sind Videoclips entstanden, in denen Nervenzellen durch Schablonen in Form von Schriftzeichen verschiedener Kulturen aus unterschiedlichen Epochen stimuliert werden. Im Verlauf der Videos werden dann verschiedene Kettenreaktionen zwischen den Nervenzellen durch unterschiedliche Farbpunkte erkennbar. In dieser Simulation repräsentiert die Farbe jedes Bildpunktes den Erregungszustand einer Gruppe von jungen Nervenzellen. Nach mehrmaliger kurzer Erregung gehen die Nervenzellen in einen Ruhezustand über, der so lange anhält bis der bei der Erregung ausgeschüttete Neurotransmitter regeneriert ist. Sobald wieder ausreichend Neurotransmitter vorhanden sind, lassen sich die Nervenzellen von außen erneut anregen oder werden nach einiger Zeit selbst spontan erregt. Danach beginnt ein neuer Zyklus.

Bei dieser Interaktion kommt es wider Erwarten nicht zu einer allgemeinen Synchronisation aller Zellen. Es entstehen komplexe Wellenmuster, die auf den rsten Blick chaotisch wirken, bei näherer Betrachtung aber auch gewisse Regelmäßigkeiten aufweisen. Dieses Phänomen, das aus vielen Teilen mit einfachen Verhalten durch eine Interaktion entstehen kann, findet man in vielen Bereichen der Natur, wie Dünen im Wüstensand, aber auch soziales und gesellschaftliches Verhalten.

 

TEIL II

Im zweiten Teil der Installation zieht der Künstler wahllos sogenannte Cookies (temporäre digitale Datenpakete) aus dem Internet und versucht deren Informationen zu entschlüsseln. Bei der Recherche stellte der Künstler fest, dass die Urheber der Cookie oft selbst nicht mehr ihren Inhalt und Zweck kennen, da diese Informationen meist von temporärer Bedeutung sind. In diesem Teil beschäftigt sich der Künstler mit der Komplexität und Informationsflut der modernen Gesellschaft und dem exponentiell anwachsenden Wissen, welches zum großen Teil nur von kurzer Dauer benötigt wird.

Die Installation CHRIE symbolisiert die Suche nach einer universellen Sprache, die Suche nach dem CHRIE: Was treibt uns an alles ergründen zu wollen? Seit jeher versucht der Mensch sein erworbenes Wissen und seine Erfahrungen zu bewahren. So konnte sich Sprache und Schrift entwickeln. Die eigene Sprache und Schrift ist der Versuch einer generationsübergreifenden Verständigung, jedoch sind in der Geschichte oft Sprachen und Schriften verschiedener Völker verloren gegangen und somit auch deren Wissen.

 

„Der Turm stürzt ein!“, eine musikalische Lichtinszenierung der historischen Fassade

„Der Turm stürzt ein!“, eine musikalische Lichtinszenierung der historischen Fassade des Waschhauses, von Mateo Ziethen

 

„La Vie Liquide von Cécile Wesolowski

Foto/Copyright: Waschhaus

Willkommen in der multimedialen Welt der französischen Künstlerin Cécile Wesolowski. Eine Welt, in die der Betrachter eintauchen kann wie in ein fluktuierendes Plasma, konzentriert angereichert mit neuartigen Erfahrungen und überraschenden Assoziationen. In der heutigen Realität, in der weltweite Produktion, Information, Illusion und Virtualität, einer Flüssigkeit gleich, flexibel in die Leerstellen der Materialität einströmen und dabei scheinbar mühelos bisherige Unterscheidungen überwinden und die Wirklichkeit exponentiell erweitern; ist die Liquidität des Lebens längst nicht nur mehr nur in monetärer Hinsicht relevant und spürbar. Jean Baudrillard attestierte nicht ohne Grund in seinem letzten Buch: Die Realität, so wie sie im Laufe der letzten Jahrhunderte erfunden wurde und welche wir zum Prinzip erhoben haben, befindet sich auf dem Weg der Auflösung.*

Cécile Wesolowski reagiert auf diese neuen Strömungen der Lebensverhältnisse, indem sie die Phänomene dieses fluiden, digitalen Anthropozäns aus eigener Perspektive neu kombiniert, sie dabei überhöht und gleichzeitig hinterfragt. Diesem Verständnis folgend sind ihre immersiven Installationen im Ausstellungsraum Repräsentationen einer sich entgrenzenden Realität. Dabei müssen ihre Werke auch zwangsläufig zu Simulationen der gegenwärtigen gesellschaftlichen Simulation werden.

Cécile Wesolowski wurde 1982 in Croix, Frankreich geboren und ist unter anderem an der Kunsthochschule der Region Les hauts de France (ERSEP) und der Universität Venedig bei Giorgio Agamben ausgebildet worden. Sie nahm an zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland teil und lebt und arbeitet in Potsdam. Stephan Klee

Weiterführende Informationen:

www.schiffbauergasse.de

www.unidram.de

Programm:

Freitag 02.11.2018

Ab 18-23 Uhr, Schirrhof

„Geist, bist du da? 25 Jahre Unidram“, eine Mappingcollage von AVK4, die Texte und Fotos aus

25 Jahren UNIDRAM-Festivalgeschichte zeigt.

Ab 18-23 Uhr, Turm des Waschhauses Potsdam

„Der Turm stürzt ein!“, eine musikalische Lichtinszenierung der historischen Fassade des

Waschhauses, von Mateo Ziethen

Samstag 03.11.2018

Ab 18-23 Uhr, Schirrhof

„Geist, bist du da? 25 Jahre Unidram“, eine Mappingcollage von AVK4, die Texte und Fotos aus

25 Jahren Festivalgeschichte entlang des Geländes der Schiffbauergasse zeigt.

Ab 18-23 Uhr, Turm des Waschhauses Potsdam

„Der Turm stürzt ein!“, eine musikalische Lichtinszenierung der historischen Fassade des

Waschhauses, von Mateo Ziethen

Ab 20-23 Uhr, Open Air Bühne der Schiffbauergasse

„CHRIE“, eine Videoinstallation des Künstlers Thomas Bartel

Das Farbenspiel aus Form und Struktur zeigt die Interaktion von Nervenzellen ausgelöst durch

unterschiedliche Impulse. Der menschliche Körper wird hier zum künstlerischen

Experimentierfeld. Im zweiten Teil der Installation arbeitet der Künstler mit Cookies (ein digitales

Datenpaket) und versucht deren Informationen zu entschlüsseln. Damit thematisiert Thomas

Bartel die Rolle der Schrift, der Sprache und der Kommunikation von Information.

Sonntag 04.11.2018

Ab 18-23 Uhr, Veranstaltungsplatz vor dem Waschhaus

„Geist, bist du da? 25 Jahre Unidram“, eine Mappingcollage von AVK4, die Texte und Fotos aus

25 Jahren Festivalgeschichte entlang des Geländes der Schiffbauergasse zeigt.

Ab 18-23 Uhr, Turm des Waschhauses Potsdam

„Der Turm stürzt ein!“, eine musikalische Lichtinszenierung der historischen Fassade des

Waschhauses, von Mateo Ziethen

Ab 19-23 Uhr, Open Air Bühne der Schiffbauergasse

„La Vie Liquide“- willkommen in der multimedialen Welt der französischen Künstlerin Cécile

Wesolowski.

Die Künstlerin kreiert in ihrer Videoperformance eine Welt, in die die Betrachterin und der

Betrachter eintauchen können wie in ein fluktuierendes Plasma – angereichert mit neuartigen

Erfahrungen und überraschenden Assoziationen.

* Jean Baudrillard Die Intelligenz des Bösen, S. 13, Passagen Verlag Wien, 2006